IT Wohin?

Schon der Titel zeigt, dass der alte Ausdruck EDV (elektr. Datenverarbeitung) an Bedeutung verloren hat. Es geht nicht mehr nur um Daten im herkömmlichen Sinn (Datenbanken, Dokumente, …), heute werden unter dem Titel IT Informationstechnologie alle Technologien zusammengefasst, die die Computertechnologie im weitesten Sinn nutzen. Die zunehmende Digitalisierung lässt die bisher getrennten Bereiche Telekommunikation, Informatik und Medien immer stärker zusammenwachsen. Konvergenz heißt das Zauberwort. Mit Konvergenz ist sowohl die Konvergenz der Endgeräte als auch der Dienste und Netze gemeint. Heute kann man mit einem PC Radio hören oder TV schauen. Es gibt internetfähige Fernsehgeräte und zum Telephonieren ist kein Kabel eines Telekomanbieters nötig, auch ein Fernsehkabel oder überhaupt nur eine Funkverbindung reichen. All diese Entwicklungen haben zum einen eine gigantisch große, neue Industrie entstehen lassen, zum anderen aber auch die Lebensgewohnheiten der Menschen stark verändert.

Heute ist vielfach in der Erziehung nicht mehr das Thema, wie viel bzw. wie lange Kinder und Jugendliche fernsehen dürfen, die Onlinezeiten sind entscheidend, Downloadraten und die Handyrechnung sind das Potential für so manchen innerfamiliären Klärungsbedarf.

Es vollzieht sich auch ein grundlegender Wandel in allen Wissensbereichen. So war es bisher der Regelfall, dass ein Lehrer oder Lehrherr Meister seines Faches war und dieses Wissen an seine Schüler, Lehrlinge etc. weitergegeben hat. Heute erleben viele Erwachsene, dass Kinder und Jugendliche weit effizienter und besser mit den neuen Technologien umgehen können als sie selbst. Dies macht auch eine andere Form des Unterrichtens erforderlich. Es geht nicht mehr primär darum, Wissen zu vermitteln, sondern „Wissensbeschaffungstechnologien“ zu erlernen.

Jeder EDV-IT Lehrer erlebt permanent, wie er von seinen Schülern etwas lernen bzw. erfahren kann. Dies ist eine ernorme Herausforderung für alle Bildungsinstitutionen. E-learning heißt das Stichwort, das vielfach gebraucht wird, unter dem sich aber jeder etwas anderes vorstellen kann. Die Palette reicht von einfachen Unterlagen für „traditionellen“ Unterricht bis hin zu rein webbasierten Lernprogrammen, wo es (fast) keinen direkten persönlichen Kontakt zwischen dem Lernenden und seinem Gegenüber gibt. Dies muss ja nicht mehr zwingend eine physische Person sein. Der klassische Lehrberuf wird nie überflüssig werden, die Aufgaben eines Lehrenden wandeln sich aber entscheidend. Dies bringt viele Vor- und Nachteile mit sich. Zu den Vorteilen zählen: Ungebundenheit von Ort und Zeit, das Lerntempo wird nicht mehr vom Vortragenden oder einer Gruppe (Klasse) bestimmt, sondern ganz allein vom Lernenden. Nachteilig kann sich aber die soziale Komponente auswirken. Lernen in der Gruppe mit einem direkten physisch anwesenden Vortragenden hat sehr viele positive Aspekte, die dadurch natürlich verloren gehen.

Die Umwälzungen betreffen aber nicht nur die Wissensvermittlung. Praktisch jeder Lebensbereich wird von dieser „Revolution der Informationstechnologie“ erfasst. Dazu einige Beispiele: Veränderung der Geschäftsprozesse und Arbeitsabläufe durch e-commerce sprich elektronischer Handel b2b (business to business) oder b2c (business to consumer), Veränderung des Freizeitverhaltens (LAN Partys, Chat, …), Veränderungen im Bereich der Medizin (Telemedizin, …). Die Liste ließe sich unendlich fortführen.

Für das Schulwesen heißt das erhöhte Flexibilität, permanente Weiter- und Ausbildung aller Beteiligten, ständige Beobachtung und Beurteilung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Trends. Für den Staat insgesamt bedeutet das eine Vervielfachung der Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Nur so können wir uns weiterhin zu den Topnationen Europas und der Welt zählen. Nicht mehr das reine Produzieren von Waren und Gütern, der „Informationsgehalt“ der Produkte und Dienstleistungen ist entscheidend.

Wichtig scheint aber auch zu sein, sehr genau darauf zu achten, dass nicht eine neue Zweiteilung der Gesellschaft passiert, in jene, die mit den neuen Umständen zurechtkommen, diese nutzen und daraus ihren wirtschaftlichen und persönlichen Profit ziehen, und in jene, die mit der Entwicklung nicht Schritt halten können. Intensive Arbeit ist gefragt, ohne den Blick auf die Gesamtheit zu verlieren. In diesem Sinne können wir gespannt sein, was uns noch an positiven und negativen Überraschungen beschert wird.

Josef Schmid, MAS