| „Wir zwei sind Beeren vom gleichen Feld“ |
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Mit diesem russischen Sprichwort hat mich meine Freundin Swetlana Truchina am 14. April am Flughafen in Ekaterinburg verabschiedet. Den ganzen Flug nach Wien musste ich über ihre Worte nachdenken. „Beeren vom gleichen Feld“ – die Lebensweise in Russland ist so anders als die in meiner Heimat. Das Leben in Russland ist schwer. Um den Alltag zu organisieren braucht es schon sehr viel Kraft. Wie sollen sich die Menschen da noch um Politik kümmern? Das Geld meiner Freunde reicht genau vom ersten bis zum letzten Tag im Monat. An Pensionsvorsorge ist da nicht im Traum zu denken. „Wir können nur hoffen, dass wir im Alter möglichst lange gesund bleiben, damit wir noch lange arbeiten können“. Im pädagogischen College in Krasnoufimsk habe ich eine Mathelehrerin gesehen, die mit ihren 70 Jahren noch unterrichtet. Eine andere Chance um auch nur halbwegs über die Runden zu kommen, hat sie nicht.
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![]() Meine junge Kollegin aus Nishni Tagil. Dahinter die Erfinder der ersten russischen Dampfmaschine (sie wurde NICHT) mit Wodka betrieben!!! |
Sascha, einer der Deutschlehrer am College ist heilfroh, dass ich einen DVD-Player mitbringe, der nun endlich auch die DVDs aus Europa lesen kann. Und natürlich bringe ich auch gleich die passenden Filme dazu mit, eine Doku über den Großglockner, eine über die Wachau und die Gschichten aus dem Wienerwald dürfen auch nicht fehlen. Die Studenten können es kaum fassen. Endlich gibt es Filme in deutscher Originalsprache. Und obendrein kommt mit dem Player und den DVDs auch noch eine, die deutsch spricht und mit ihnen Unterricht macht. Ich war beinahe rund um die Uhr im Einsatz. In 8 Tagen waren das 56 Stunden, die ich mit den StudentInnen arbeitete. In Österreich kann sich das keine Lehrerin und kein Lehrer vorstellen, was das heißt. In Russland ist dieses Stundenausmaß Alltag. Warum? Weil die Lehrer mit ihrem Gehalt für eine normale Lehrverpflichtung nicht über die Runden kommen würden. Ich ziehe meinen Hut vor meinen Kolleginnen und Kollegen in Russland! Abenteuerliche Fahrten mit Taxis ohne Licht in der Nacht, beinahe eine Woche als U-Boot in Russland, weil ich nicht registriert werden konnte, Schnee, soviel habe ich den ganzen Winter bei uns nicht gesehen, Kälte, Gatschwetter und dreckige Hosen – das ist die eine Seite. Die andere: Viele Gespräche, viele Begegnungen, Ostern um Mitternacht in der russisch-orthodoxen Kirche. Swetlana und Eugen meine Freunde aus Ekaterinburg , die mir jeden Wunsch von den Augen abgelesen haben, Persitschek , mein spezieller vierbeiniger Freund, der mir jeden morgen beim Frühstücken half; Luba meine Freundin in Nishni Tagil , die mir versucht hat, die russische Sprache etwas näher zu bringen; Luba und Sascha in Krasnoufimsk , mit denen ich an den Abenden Karten gespielt habe, oft lange Diskussionen führte, auch einmal ins Fettnäpfchen steigen durfte, ohne dass sie gleich böse waren auf mich, und die mir das wichtigste geben, was man in diesem riesigen, manchmal auch schrecklichen Land braucht – ein Zuhause. Diese Menschen brauchen unsere Hilfe und unser Interesse an ihrem Schicksal. Auch wenn wir in zwei unterschiedlichen Kulturkreisen aufgewachsen sind und sich Dein Leben von meinem in vielen Dingen unterscheidet. Swetlana Du hast Recht, wir zwei sind Beeren vom gleichen Feld. Mag. Andrea Teichmann |
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Die jungen Kolleginnen des 5. Studienjahres |